Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft

Landesverband Hessen - Bezirk Rüsselsheim  e.V.

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Taucherausbildungsfahrt 2000 an den Achensee  -  01.01.2000

DLRG

Wegen des doch zwischendurch schlechten Wetters, wurde ein Zelt aufgebaut. Das begrüßten vor allen alle Nass-Taucher, da dies auch beheizt war.

Sozusagen auf Hochtouren befand sich die Rüsselsheimer DLRG-Tauchergruppe während ihrer diesjährigen einwöchigen Aus- und Weiterbildungsfahrt. Ziel war der in Tirol liegende Achensee, der mit einer Höhe von 930 Metern über dem Meeresspiegel zu der Kategorie der Bergseen gehört.

Ein in der Nähe des Sees gelegener Almgasthof bot den sechzehn Tauchern, zum Teil mit ihren Familien angereist, einen idealen Ausgangspunkt für ihre Tauchgänge.

Wie die meisten Bergseen fasziniert auch der Achensee durch bestechende Klarheit mit Sichtweiten bis zu 30 Metern. Dafür mussten sich die DLRG-Taucher aber auch mit den niedrigen Wassertemperaturen von 6 Grad Celsius arrangieren. Entschädigt wurden sie jedoch mit einer oft mystisch wirkenden Unterwasserwelt.

Fast überall finden sich versunkene Bäume und Autowracks. Die stellenweise immer noch vorhandenen Relikte aus dem letzten Weltkrieg legen den Verdacht nahe, dass hier eine komplette Armee gegen Kriegsende „abrüstete“.

Fische sind im Achensee reichlich vorhanden, nur leider begegnet man ihnen beim Tauchen eher selten: Renken und Seesaiblinge halten sich im tiefen Wasser auf, Seeforellen und Hechte ziehen sich mehr und mehr an die unzugänglichen Ufer zurück.

Schwere Tauchunfälle -der See ist bis zu 130 Metern tief- und der Ruf des Sees als Munitionsdepot führten in der Vergangenheit zu einem generellen Tauchverbot am Achensee. Ortsansässige Intitiativen setzten mit der Erteilung von Einzeltauchgenehmigungen einen annehmbaren Kompromiss durch.

Das Tauchen in Bergseen folgt aufgrund des niedrigeren Luftdrucks in der Atmosphäre anderen Gesetzmäßigkeiten als denen im Flachland. Insbesondere die steil abfallenden Ufer des Achensees, die bis weit jenseits der für Taucher zulässigen Grenzen reichen, erfordern spezielles Know-how und ein verschärftes Sicherheitsbewusstsein. Der Sicherheitsaspekt stand daher für die DLRG-Taucher während ihrer Tauchgänge im Vordergrund.

Von großem Vorteil waren die seit 1986 bestehenden Kontakte zur Seefelder Bergrettung. Kurt Steinegger aus Seefeld, der die Rüsselsheimer begleitete, konnte mit seinen hervorragenden Kenntnissen über die besten Tauchplätze einen wertvollen Beitrag zum Erfolg der gemeinsam angesetzten Übungen beitragen. Sowohl die erfahrenen Rettungstaucher als auch die Tauchanfänger kamen dabei auf ihre Kosten. Manuel Dobrawa fiel es deshalb nicht schwer, die Prüfung zum Gerätetaucher zu bestehen.

In einer weiteren Ausbildung kann er sich nun zum Rettungstaucher qualifizieren. Da die Aus- und Weiterbildung bei der DLRG einen hohen Stellenwert einnimmt, lag es nahe, sich als Proband für eine Studie des Universitätsklinikums Mainz zur Verfügung zu stellen. Achim Jung, der die Kontakte dafür knüpfte, stellte in seinem Referat die Hintergründe und Denkansätze sehr informativ vor. Ziel der Studie ist es festzustellen, ob sich Mikrobläschen im Blut der Taucher durch die Veränderung von labortechnischen Parametern nachweisen lassen, um dadurch die Untersuchungsmethoden zu erleichtern. Hierzu waren sowohl vor als auch nach jedem Tauchgang Blutentnahmen durchzuführen. Diese Proben wurden direkt vor Ort weiterverarbeitet und für den Transport an die Mainzer Universitätsklinik tiefgefroren.

Die Blicke der DLRG-Gruppe über den „Taucher-Horizont“ fanden eine interessante Bereicherung durch die Insider-Tipps von Kurt Steinegger: Die wildromantische Wolfsklamm, die Wanderung entlang eines schmalspurigen Erlebnispfades und das Abseilen an einer Felswand unter professioneller Anleitung stellten ungewohnte Herausforderungen an die Trittsicherheit. Auf knapp 1900 Metern Höhe boten sich im Rofan-Gebirge die ersten Schnee-Erlebnisse. Bei der Erkundung der Stollensystem in einem Silberbergwerk bei Schwaz tauchte die DLRG-Gruppe in die geschichtsträchtige Welt des Bergbaus ein. Solche Vielfalt der Dimensionen der Berge machte diese Woche zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Renate Lindner